kulinarisches koblenz

Meine Mission des 19.11.2011: die Erkundung der Stadt Koblenz – zusammen mit zwei kollegialen Jägern und Sammlern. Zielsicher steuerten wir auf die Stadtmitte zu, fanden uns jedoch aufgrund einer verpassten Abfahrt nicht im Stadtkern, sondern unterhalb einer Burg wieder, die wir kurzerhand als neues Ziel definierten. Brav folgten wir der Beschilderung „Festung“, doch unsere Reise endete unverhofft an einer Vollsperrscheibe. Davor blieben wir stehen und zückten ohne vorherige Entscheidungsmatrix die Smartphones, um spontan einen Plan B auszuarbeiten. Als wir wieder aufblickten, schauten wir direkt in die Augen von Freund und Helfer, die wie aus dem Nichts in ihrem blauen Mobil auftauchten.

Glücklicherweise quittierten sie unser Park-Fehlerverhalten nur mit einem fröhlichen Grinsen, auf das wir innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde mit Flucht reagierten. Unser Improvisationstalent führte uns schließlich doch zur Burg. Nachdem wir endlich einen Parkplatz ausfindig machen konnten, spazierten wir voller Vorfreude unserem ersten touristischen Highlight entgegen. Doch direkt am Eingang der Seilbahn schimmerte uns ein hinterlistiges Schild entgegen, das verriet, die Burg wäre geschlossen. Ruhezeit. Mist.

Vom Hunger getrieben erknobelten wir umgehend einen neuen Plan und landeten so im idyllischen Mühltal, das ein Restaurant in Gestalt einer Mühle in sich bergen sollte. Vorbei an Weinbergen und einem gesprächigen Pferd fanden wir unser Ziel: ein Speise-Häuschen, dessen dunkles Innenleben bereits Böses erahnen ließ. Mit dem Blick auf die Öffnungszeiten war unser Schicksal besiegelt. Mist.

Mit leichter Hysterie steigerten wir uns in eine Verschwörungstheorie hinein und waren fest davon überzeugt, dass Koblenz uns einfach nicht haben wollte. Mutig unternahmen wir einen neuen Anlauf und steuerten wieder das Stadtzentrum an. Auf Empfehlung des Smartphones gingen wir strammen Schrittes zu unserem präferierten Nahrungstempel namens „Da Vinci“. Von außen machte dieser einen noblen Eindruck, und als wir eintraten, eröffnete sich uns ein vornehmes Ambiente. Nur ein einziger Tisch war belegt. Direkt empfing uns eine Servicekraft mit – ich zitiere – der Frage: „Wünschen Sie zu speisen?“ Mit einem sehr individuellen und mittelschwer irritierten Gesichtsausdruck gaben wir nur ein kurzes „Ja“ zurück und nahmen an einem Tisch Platz. Offenbar stufte die edle Bedienung unser Hunger-Level als bedenklich ein, sodass sie uns direkt nach unserer Bestellung eine überraschende Vorspeise auftafelte. Vorzüglich. Anschließend brachte sie uns einen Gruß aus der Küche. Ein Moment, in dem wir uns fragen, wie viele Gänge wir noch spendiert bekämen. Dann hielten die Hauptgerichte Einzug, die wir begeistert als „Geschmacksexplosion“ einstuften. Wir hatten selten so gut getafelt!

Wildgulasch mit Spätzle

Nach diesem Mahl stand fest: Koblenz liebte uns. Und wir liebten Koblenz. Gestärkt marschierten wir zu einem geschichtsträchtigen Platz mit dem Namen „Deutsches Eck“, am Zusammenfluss von Rhein und Mosel. Unübersehbar erhebt sich dort das Kaiser-Wilhelm-Denkmal, ein 37 Meter hohes Monument, von dem allein 14 Meter auf das Reiterstandbild, das Kaiser Wilhelm I. mit einem Genius zeigt, entfallen. Aufgeregt erklommen wir so einen bedeutenden Teil vom Unesco Welterbe Oberes Mittelrheintal.

Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Denkmal-Posing

Oben angekommen empfing uns eine der wohl größten Taubenschiss-Ausstellungen der Welt. Das halbe Denkmal war in schwarz-weiße Häufchen gehüllt. Pfui. Immerhin hatten wir von oben einen schönen Blick auf das Aufeinandertreffen der beiden Flüsse.

Zusammenfluss von Rhein und Mosel

Anschließend bummelten wir die Uferpromenade entlang und trieben an jeder möglichen Stelle Schabernack.

Synchronspringen

Flussidylle

Kletterpartie

Burgblick

Herbststimmung

So viel Bewegung an der frischen Luft macht hungrig, und so gelüstete uns nach einer Tasse heiße Schokolade und einem frischen Stück Kuchen. In einem kleinen Leuchtturm vesteckte sich ein Café, das unserer Sehnsucht nach Zucker Herr werden sollte. Die Aussicht war fabelhaft, doch unsere konditoralen Erwartungen wurden jäh zerschlagen, als man uns offenbarte, dass nur noch Marmorkuchen und Schoko-Mandel-Torte vorrätig seien. Wie öde. Wir entschieden uns für den Marmorkuchen und die heiße Schokolade. Im Nu wurde serviert: ein warmes Wasser mit Kakao-Anteil sowie ein Stück Schoko-Mandel-Torte im Wüsten-Modus. Mist.

Um diese geschmacklose Trockenmischung, die nur spärlich gen Magen rutschte, etwas anzuschieben, steuerten wir den Koblenzer Weihnachtsmarkt an und eröffneten feierlich die Glühwein-Saison.

Weihnachtsmarkt Koblenz

Weihnachtsmarkt Koblenz

Für unser Abendessen kehrten wir Koblenz den Rücken und behelligten stattdessen Mainz mit unserer Anwesenheit.

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5 Gedanken zu „kulinarisches koblenz

    • Gnihihi, schöner Username. Als hättest du ihn nur für mich angelegt :-D Zwischen den Zeilen hab ich die von dir erwähnten Details überaus erfasst:
      – die Parkplätze: „Nachdem wir endlich einen Parkplatz ausfindig machen konnten…“
      – die heiße Schokolade: „ein warmes Wasser mit Kakao-Anteil“
      Aber bei der Gelegenheit könnte ich noch erwähnen, dass deine Entscheidung beim Mittagsgericht eine 1:1-Kopie meiner war :-P

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