ein seelöwe mäht selten allein

Nach ein paar Stunden Wüsten-Geschaukel erreichen wir tatsächlich den Atlantik und folgen der Küste bis Cape Cross. Die auch als Kreuzkap bezeichnete Landspitze rühmt sich, im Januar 1486 erstmals von portugiesischen Füßen betreten worden zu sein. Seefahrer und Entdecker Diego Cão errichtete dort im Auftrag seines Königs ein Steinkreuz – was wir als gute, deutsche Touristen leider nicht zu sehen bekommen. Oder war ich nur unaufmerksam?!

Auch ohne das historische Kreuz erinnert sich wohl jeder von uns an Cape Cross – insbesondere unsere Nasen. Als wir aus dem Bus steigen, atmen wir tief ein – in der Hoffnung, nach all der trockenen Wüstenluft endlich eine schöne, feuchte Meeresbrise durch die Atemwege sausen zu lassen. Doch der erste Luftzug entpuppt sich als fatal und verführt manche zu Würgereflexen. Es riecht nicht nach Sonne, Strand und Meer, sondern exorbitant nach nassem Seehund. Willkommen an einer der größten Seelöwen-Kolonien der Welt!

Cape Cross, eines der größten Seelöwen-Sammelgebiete weltweit

Cape Cross, eines der größten Seelöwen-Sammelgebiete weltweit

Über einen Holzsteg tapsen wir auf die überfüllte Seelöwen-Wohnung zu und trauen unseren Augen nicht: eins, zwei, drei, …, sechshundertzehn, …, zwölftausenddreiundzwanzig, … – achtzigtausend. Ja, hier leben tatsächlich bis zu 80.000 Tiere! Man nennt sie Seelöwen, südafrikanische Seebären, Robben, Ohrenrobben oder Zwergpelzrobben. Da wir alle keine Zoologen sind, hinterfragen wir die skurrile Namensgebung nicht, sondern schauen staunend auf das völlig überladene Kap. Wie Ölsardinen in der Dose bevölkern die außergewöhnlichen Wesen den Strand.

Ölsardinen im Robbenkostüm

Ölsardinen im Robbenkostüm

Hier herrscht Action nonstop!

Hier herrscht Action nonstop!

Sie liegen herum, aalen sich in der Sonne, watscheln von A nach B, schleppen ihre wenig grazilen Körper ans Ufer, planschen im Wasser, schwimmen auf Wellen und diskutieren miteinander, dass es einem im Gehörgang vibriert.

Wellenreiten an Cape Cross

Wellenreiten an Cape Cross

Baden am überfüllten Planschbecken

Baden im überfüllten Planschbecken

Sonnenbaden entspannt oder macht aggressiv

Sonnenbaden entspannt oder macht aggressiv

Ein bisschen Pediküre...

Ein bisschen Pediküre…

Eine kleine Yoga-Session...

Eine kleine Yoga-Session…

Eine leckere Zwischenmahlzeit...

Eine leckere Zwischenmahlzeit…

So ein ruhiges Plätzchen findet man hier nur selten.

So ein ruhiges Plätzchen findet man hier nur selten.

Doch nicht nur unsere Nasen vollbringen an diesem Tag Höchstleistungen, auch unsere Ohren sind aufs stärkste gefordert: Es herrscht ein heilloses Durcheinander von lautstarkem Rufen, Mähen, Blöken, Brüllen, Schreien oder wie auch immer man die tierische Artikulation an der Dezibel-Verträglichkeitsgrenze bezeichnen möchte.

Muss man da gleich so schreien?!

Muss man da gleich so schreien?!

Aaach, und kurz danach ist wieder alles okay...

Aaach, und kurz danach ist wieder alles okay…

Nachdem wir alle Tiere begutachtet haben, kämpfen wir uns zurück zum Bus.

Selbst auf dem Weg zum Bus lümmeln noch die Robben herum.

Selbst auf dem Weg zum Bus lümmeln noch die Robben herum.

Wenige Minuten später können wir wieder genüsslich durchatmen und erreichen einen kleinen Salzsee, der sich als herrliche Kulisse für Fotos entpuppt.

Ein Salzsee in the middle of nowhere

Ein Salzsee in the middle of nowhere

Auf dem Salz kann man wunderbar herumlaufen - ohne baden zu gehen.

Auf dem Salz kann man wunderbar herumlaufen – ohne baden zu gehen.

Salz-Strukturen

Salz-Strukturen

Da sitze ich nun - auf einem namibischen Häufchen Salz...

Da sitze ich nun – auf einem namibischen Häufchen Salz…

Auf unserer Weiterfahrt passieren wir einsame Strände, an denen hin und wieder ein Wrack aus dem Wasser ragt – nicht umsonst wird diese Region auch als Skelettküste bezeichnet. Geologisch gehört ein Großteil dieser mit einem Alter von bis zu 1,5 Milliarden Jahren zu den ältesten Gesteinsformationen der Erde. Leider haben wir einen so straffen Zeitplan, dass wir keinen schräg liegenden Untersatz Schiffbrüchiger aus der Nähe erkunden können.

Schiffswrack an der Skelettküste

Schiffswrack an der Skelettküste

Am Nachmittag erreichen wir unser Tagesziel, Swakopmund. Hier checken wir, man mag’s kaum glauben, nicht in unsere Zelte ein, sondern in eine Pension. Für zwei Nächte ist uns ein richtiges Bett vergönnt. Die letzten zwei Tage, bevor wir tief in die Wildnis aufbrechen…

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