woman on the moon

Immer noch Tag 6. Nach der feuchtfröhlichen Ausfahrt in die Walfischbucht (ohne Walfisch) ist der Tag noch lange nicht zu Ende. Vom Hafen aus werden wir in die Stadt chauffiert und navigieren uns eigenständig zurück in unsere Pension. Swakopmund ist glücklicherweise ausreichend groß, um ein Foto-Fachgeschäft zu beherbergen, in dem ich dem Genörgel meiner Kamera stattgebe und ihr eine neue Speicherkarte spendiere. Außerdem wandert ein wohltuendes Blätterteigstückchen einer deutschen Bäckerei in meinen Magen, um das nach-austerliche Durcheinander wieder aufzulösen.

Am Unterschlupf zersplittert die Reisegruppe in überraschend viele Einzelelemente, da der Nachmittag für individuelle Aktivitäten zur Verfügung steht. Ein Großteil bricht zu einer Quad-Tour durch die Sanddünen der Namib auf, andere bummeln auf einer „Township-Tour“ durch die Stadt, wieder andere postieren sich auf dem Rücken von Pferden, um die Gegend zu erkunden – und ich starte zusammen mit meiner Zeltkumpanin in die viel versprechende „Mondlandschaft“.

Ein hoch gewachsener Guide mit martialischem Händedruck sammelt uns mit einem Landrover vom Straßenrand auf. Darin thronen bereits vier Pauschaltouristen, die uns alterstechnisch einen deutlichen Schritt voraus sind. Ungehemmt setzen wir uns dazu. Mein geschultes Ohr vernimmt einen vertrauten Dialekt. Schnell enttarnt man sich und stellt fest, dass man sowohl derselben Region entstammt als auch im selben Urlaubsland steckt. Menschenskinner, Sachen gibt’s…

Die nächsten 100 Kilometer verbringen wir also mit fröhlichen, aber Gott sei Dank unaufdringlichen Sachsen. Als wir das Gebiet der Mondlandschaft befahren, stockt uns der Atem. Es ist wie ein Eintritt in eine andere Welt, die Tür zum Dorob National Park.

Mondlandschaft bei Swakopmund

Mondlandschaft bei Swakopmund

Während der Tour erforschen wir das felsige Granit-Tal, bekannt als das Tal des Mondes – etwa 30 Kilometer östlich von Swakopmund. Die überwältigende Landschaft ist deutlich älter als ich und in vergangenen Zeiten vom Swakop-Fluss gemeißelt worden.

Der erste Mond-Mensch?!

Der erste Mond-Mensch?!

Wir schaukeln über die Geröllflächen und bewundern die geologischen Strukturen. Anfangs ist alles noch sehr karg, von Flora und Fauna keine Spur, doch je weiter wir in den fremden Planeten vordringen, desto öfter stoßen wir dubiose Gewächse.

Blick auf die spärlich bewachsene Mondlandschaft

Blick auf die spärlich bewachsene Mondlandschaft

Mondlandschaft - dürres statt saftiges Grün

Mondlandschaft – dürres statt saftiges Grün

In den Granit-Schluchten der namibischen Wüste treffen wir auf seltsame Wesen. Es ist eine Film-Crew, die hier für die Verfilmung von „Mad Max 4“ werkelt und abstruse Kulissen zimmert: Jede einzelne, auch noch so kleine verfügbare Pflanze wird mit einem Holzgerüst ummantelt, mit einem Kostüm in Naturfarben getarnt. Die menschlichen Gestalten eliminieren tatsächlich das letzte Grün und bauen künstliche Felsen nach. Der deutsche Tourist schüttelt nur den Kopf. Für Namibia ist das eine feine Sache, denn Hollywood spült dem Land so täglich eine Wüsten-Nutzungsgebühr in fünfstelliger Höhe in die Kassen. Täglich! Aber ob das auch dem natürlichen Gleichgewicht des Nationalparks gut tut, wenn täglich Menschenmassen darin herum stapfen?!

Mitten in der Namib entsteht die Kulisse für "Mad Max 4".

Mitten in der Namib entsteht die Kulisse für „Mad Max 4“.

Wir erreichen das Flussbett des Swakop, der sich laut Wikipedia als „einer der größten zeitweise wasserführenden Trockenflüsse“ rühmt. Zeitweise trifft es ganz gut – als wir eintreffen, herrscht staubige Dürre.

Ausgetrocknetes Flussbett des Swakop

Ausgetrocknetes Flussbett des Swakop

Im Tal finden machen wir Bekanntschaft mit einer außergewöhnlichen Pflanze, der Welwitschia mirabilis. Dürres Ding, mitunter aber erstaunlich groß. Jetzt verstehen wir auch, warum die Tour „Weltwitschia Drive“ im Untertitel trägt. Hier wohnen zahlreiche dieser skurrilen Gewächse, auf denen wiederum gruselige Käfer residieren, die teilweise kreuz und quer flitzen oder teilweise wild aufeinander hocken…

Welwitschia mirabilis mit zapfenförmigen Blütenständen

Welwitschia mirabilis mit zapfenförmigen Blütenständen

Welwitschia-Käfer, Bewohner der Welwitschia

Welwitschia-Käfer, Bewohner der Welwitschia

Abends quälen wir den Landrover hinauf auf den höchsten Punkt der Mondlandschaft, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Die Dämmerung taucht die Landschaft in ein orange-rotes Licht.

Auf zum höchsten Punkt der Mondlandschaft!

Auf zum höchsten Punkt der Mondlandschaft!

Dämmerung in der Mondlandschaft

Dämmerung in der Mondlandschaft

Sonnenuntergang in der Mondlandschaft

Sonnenuntergang in der Mondlandschaft

Nach dem Sonnenuntergang auf dem Mond brettern wir zurück in die Zivilisation und zu unserer Reisegruppe, mit der wir zu einem gemütlichen Abendessen aufbrechen.

Damit neigt sich die erste Reise-Woche dem Ende – und das ominöse und gefährliche „Delta“ rückt immer näher…

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